Stuttgarter Bote Online

Die Online-Ausgabe des Stuttgarter Boten.

Feinstaubalarm zeigt Wirkung: Tausende Stuttgarter verstopfen ihren Auspuff

Nachdem die Stadt am Montag zum ersten Mal den Feinstaubalarm ausgelöst hatte, macht sich in den Tagen danach ein neuer Trend im Kessel bemerkbar. Mit Tennisbällen im Auspuffrohr wollen Bürger Umwelt und Gesundheit entlasten. Von Peter Buchholtz

Stuttgart – Seit Anfang der Woche herrscht in der Landeshauptstadt erstmals Feinstaubalarm. Einwohner und Pendler sind dazu aufgerufen, ihre Autos stehen zu lassen und stattdessen Bus und Bahn zu nutzen. Die Stadt Stuttgart hofft, mit dem Alarm die hohe Luftbelastung in der Kessellage in den Griff zu bekommen.

Wie sich nun herausstellte, reagieren viele Bürger auf den Aufruf, weniger Feinstaub zu produzieren. Zwar steigen sie nicht, wie von der Stadt vorgeschlagen, auf die Öffentlichen Verkehrsmittel um. Doch setzt sich in den vergangenen Tagen ein ganz anderer Trend zur Reduzierung der Abgase durch. Mark Frank, Bankangesteller aus Gerlingen, erklärte gegenüber dem Stuttgarter Boten die technische Raffinesse: „Anstatt den Feinstaub in der Luft zu verteilen, behalte ich ihn in Zukunft einfach bei mir. Dieser Tennisball hindert die krebserregenden Abgase am Austreten.“

Über die sozialen Netzwerke verbreitete sich die Idee binnen weniger Stunden bis weit über die Stadtgrenzen. Die Blechlawine rollt zwar weiter, mit dem gelben Tennisball im Auspuff setzen viele Stuttgarter aber schon nach drei Tagen ein Zeichen für den Umweltschutz. Fachleute gehen davon aus, dass schon etwa ein Viertel der in Stuttgart angemeldeten Fahrzeuge mit dem Tennisball ausgestattet sein könnte.

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Mit einfachen Mitteln die Umwelt schützen. Mark Frank zeigt, wie es geht. Foto: Joe Boulay

Auch Stefanie Jahn, die täglich mit dem Auto von Calw nach Stuttgart pendelt, hat sich von der Facebook-Gruppe „Stuttgart im Gelbfieber“ infizieren lassen. „Als ich davon hörte, war ich mir nicht ganz sicher, ob das Gelb des Tennisballs zu meinen neonpinken Tribal-Aufklebern passen würde. Schließlich hat mich der Verkäufer im Sportladen überzeugt, den Schritt zu wagen. Ich will schließlich nicht als Umweltsünderin dastehen“, sagte die 23-Jährige am Mittwochmorgen. Nun ist auch ihr Opel Tigra mit je einem Tennisball pro Auspuffrohr ausgestattet.

Den Trend zum Tennisball bestätigte auch Günther Neukranz, Filialleiter des Intersport-Geschäfts auf der Königstraße: „Seit Anfang der Woche verkaufen sich Tennisbälle wie warme Semmeln. So eine Nachfrage hatten wir im Winter noch nie.“ Auch auf Seiten der Stadt ist man sichtlich begeistert vom Einfallsreichtum der Bürger. „Die Stuttgarter zeigen, dass Gesundheit und Umwelt für sie Güter sind, die es zu schützen gilt“, so eine Sprecherin des Rathauses. „Ich wüsste nicht, in welcher anderen Großstadt Deutschlands die Einwohner so positiv auf einen Feinstaubalarm reagieren würden.“

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. Januar 2016 von in Gesundheit, Mobilität, Natur, Stuttgart.

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