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Stadt will Stäffele durch Rolltreppen ersetzen

Stuttgart – Ab 2016 sollen die rund 400 Stuttgarter Stäffele sukzessive gegen moderne Rolltreppen ausgetauscht werden. Der Gemeinderat sprach sich am vergangenen Donnerstag für eine Verwendung der im Haushalt 2016/2017 für die Sanierung der Stäffele vorgesehenen Mittel aus. Damit wolle man sich schon heute auf die Altersstruktur von Morgen vorbereiten.

Schweißtreibende Aufstiege aus dem Kessel in die Halbhöhenlagen der Stadt gehören dem Gemeinderat nach bald der Vergangenheit an. Schon Anfang 2016 wolle man Schritt für Schritt mit dem Austausch der in die Jahre gekommenen Stäffele gegen wetterfeste Rolltreppen beginnen. Das Gremium möchte mit dieser Maßnahme dem voranschreitenden demografischen Wandel entgegenwirken.

Alt und sanierungsbedürftig - die Stäffele am Schwabtunnel.

Alt und sanierungsbedürftig – die Stäffele am Schwabtunnel.

Die Idee für das wahnwitzige Vorhaben kommt wie so oft aus dem technisch überlegenen Südamerika. 2010 war dort in der kolumbianischen Metropole Medellin die erste Rolltreppe für die Bewohner des höhergelegenen Stadtviertels „Comuna 13“ eröffnet worden. Seitdem hatte sich das Stimmungsbild in der Stadt deutlich verbessert. Auch die Gangs konnten durch Wegzölle von der technischen Neuerung profitieren.

Nutzungsgebühr von 20 bis 50 Cent möglich

Im Stuttgarter Gemeinderat begrüßte man die einstimmige Entscheidung für die Rolltreppen. Martin Körner von der SPD betonte nach der Sitzung die Wichtigkeit des Projekts für die Landeshauptstadt: „Seit Stuttgart 21 ist die Stimmung in der Stadt im Keller. Nun gehts endlich mal wieder aufwärts.“ Auch Beate Bulle-Schmid (CDU) freut sich auf das bahnbrechende Projekt und hofft, dass auch der Stuttgarter Tourismus auf Dauer von den Rolltreppen profitiere. Einzig über die Finanzierung der Energie- und Instandhaltungskosten sei man sich im Gemeinderat noch nicht einig. Die Linke fordert eine Beteiligung der „reichen Bonzen aus der Halbhöhenlage“ an den Kosten. CDU und SPD befürworten dagegen eine Gebühr von 20 bis 50 Cent pro Fahrt, auch Monats- und Jahrestickets seien nicht ausgeschlossen. Von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen äußerte sich bisher niemand zur Finanzierung der laufenden Kosten. „Sicherheit und Anwohnerschutz haben Priorität“, sagt Björn Peterhoff. „Daher fordern wir eine Maximalgeschwindigkeit von 5 km/h auf allen Rolltreppen in dicht besiedeltem Gebiet“, ergänzt er.

Pilotprojekt Hasenberg/Schwabtunnel

Mit der Umrüstung soll Anfang 2016 an den Treppen im Bereich Hasenberg/Schwabtunnel begonnen werden. Erst dann wird sich auch zeigen, ob die Kosten in Höhe von 160 Millionen für das gesamte Projekt realistisch kalkuliert wurden. Experten der Deutschen Bahn, die mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden waren, schätzen die Gefahr einer Kostenexplosion derzeit als „verschwindend gering“ ein.

Von Peter Buchholtz

Foto: Stephan Klage, CC BY-SA 3.0

 

Ein Kommentar zu “Stadt will Stäffele durch Rolltreppen ersetzen

  1. zarromanowski
    24. März 2015

    Sicherlich wird eine Kostenexplosion nie stattfinden, da die seriöse Grundkalkulation, untermauert durch das Gutachten von Prof. Dr. Blender am Lehrstuhl für gebrochene Lehnen, der Universität Bubriz an der Knatter, entsprechend fachlich belegt wurde. Allerdings ist der Gedanke nicht ganz neu, denn schon im Jahre 1922, zur Zeiten der Weimarer Republik, kam Bauminister Erich von Burner, in Insiderkreisen auch „der mit dem aschfahlen Stufengesicht“ genannt – auf die Idee mit den Rolltreppen für die Schwabenmetropole. Diese Idee scheiterte aber, da der Versailler-Vertrag es vorsah – deutsche Innovationen auszubremsen. Aufgrund der Behinderung deutscher Ingenieuerskunst in diesen Zeiten, entsprang auch der wilde Auftritt eines deutschen Tüftlers, der im Eifelturmrestaurant mit seiner selbsgebastelten ersten Schwarzwälder-Armbanduhr inklusive ausfahrendem „Kuckuck“ für Furore bei den Franzmännern sorgte. Als in den Sechziger-Jahren in Cannes der Film „Der mit dem Kuckuck drohte“ uraufgeführt wurde und während der Preisverleihung auf einer fragilen Rolltreppe an Actor Hugo von Klötenstuhl, schwäbische Hausfrauen plötzlich zu schwitzen begannen, wußte man – heut gibt’s Buabe-Spitzle.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Februar 2015 von in Demografie, Stadtleben, Standortattraktivierung.
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